Erika von Roques

Die Breisiger Malerin Erika von Roques

Von Heidrun Dolezel, M.A., Tochter der Künstlerin

- VG Bad BreisigÜber drei Jahrzehnte, von 1937 bis 1968, gehörte die zierliche Gestalt mit Skizzenblock und Feldstaffelei zum Breisiger Ortsbild.

Der gebürtigen Breslauerin war es nicht an der Wiege prophezeit worden, dass Bad Niederbreisig – wie es damals hieß - zu ihrem Lebensmittelpunkt würde.

Nach einem Studium an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau und in Berlin wirkte Erika von Roques als Entwerferin von Porzellandekoren.

Bei der renommierten Porzellanfirma Rosenthal schuf sie in den 30er Jahren zahllose Dekorentwürfe für Service, Vasen und Bonbonieren. Ihre Teeservice Blaue Stunde und Hänsel und Gretel (Eichkätzchenmotiv) waren so erfolgreich, daß sie noch in den 50er Jahren von Rosenthal produziert wurden.

Der Beruf ihres Mannes Karl Adam, der für die Firma Rosenthal das Gebiet von Basel bis zum Niederrhein kaufmännisch betreute, brachte es mit sich, daß sich das Porzelliner-Ehepaar im Sommer 1937 in Niederbreisig (Bergstraße 8) niederließ.

- VG Bad Breisig

Die Malerin mochte den zwischen Hängen eingebetteten Ort, die Spaziergänge über die Rheinhöhen, die Abendstimmung am Strom. Viele ihrer Bilder zeugen davon. Sie war von der Schönheit der rheinischen Landschaft begeistert und hielt sie in den verschiedensten Techniken fest. Ihre Landschaftsbilder hingen später in einer Reihe von Botschaften der Bundesrepublik.

Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes heiratete sie Werner von Roques und signierte fortan unter ihrem neuen Namen.

Seit den 40er Jahren hatte sich Erika von Roques der Porträtmalerei zugewandt. Zunächst entstanden Bildnisse in zarter Pastelltechnik, später bevorzugt in Öl. Egal, ob das Modell ein Handwerker, eine Schauspielerin oder ein Professor war: Es mußte schon ein „guter Kopf“ sein. Immer war es für sie wichtig, den Charakter des Menschen zu erfassen. Deshalb gehörte zu den Malsitzungen auch das anregende Gespräch. Viele der Porträtierten waren Breisiger, zum Beispiel der „Rheinische Gastwirt“ Heinz Gückelhorn („Kunibert der Fiese“).

Erika von Roques porträtierte unter anderem den Arbeiterdichter Max Barthel in seinem Häuschen am Elzenberg, den Architekten A. W. Stephan („Stephansdach“) in seinem Brohler Studio oder den Gärtner Nikolaus Kraus in seinem Oberbreisiger Treibhaus. Zu den Höhepunkten ihres Porträtschaffens gehörte zweifellos das Porträt von Wilhelmine Lübke (1963), der Frau des damaligen Bundespräsidenten.

Nach Mitte der 50er Jahre entstanden zunehmend freie Kompositionen in Öl, Bilder von der Verlorenheit des Menschen im All, von der Einsamkeit des Blinden, aber auch vom glücklichen Erleben des Frühlings, angeregt durch die blühenden Breisiger Gärten. In der damaligen Reitschule von Peter Schmidgen („Jockey“) skizzierte die passionierte Reiterin die Vorlagen zu Spielende Hengste (1960).

Die Malerin war in der rheinischen Künstlerszene zu Hause, gehörte zu den Gründungsmitgliedern der ARE-Gilde, war Mitglied des Mittelrheinischen Künstlerverbands Koblenz und der Bonner Gruppe der GEDOK (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen).

Dass Erika von Roques am Breisiger Leben regen Anteil nahm, zeigen nicht zuletzt ihre Studien zum Breisiger Karneval.

Ihre alljährlichen Ausstellungen im damaligen „Haus des Kurgastes“ (heute „Villa Lucia“) waren in den 50er Jahren aus dem sommerlichen Kulturprogramm von Bad Niederbreisig nicht wegzudenken. Ihre Bilder waren weit über Breisig hinaus in Einzel- oder Kollektivausstellungen zu sehen, u.a. in Dortmund, Düsseldorf und Darmstadt, in München und Paris.

Erika von Roques starb vor 40 Jahren, am 17. Dezember 1969.

Erinnerungen eines Gedächtnislosen Monatsplakat Programm Kulturbühne 2017